Ein stille Music – Trauerkantaten

Georg Philipp Telemann (1681-1767)
Schaffe in mir Gott ein reines Hertz
Sey getreu biß in den Todt

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit
(Actus tragicus)



 

Birte Kulawik – Sopran
Ulrike Zech – Alt
Michael Schaffrath – Tenor
H.-J. Ander-Donath – Bass
Katja Johanning, Gabriele Schubert – Blockflöten
Sophia Gulde – Viola
Diethard Krause, Katharina Holzhey – Violen da gamba
Norbert Schuster – Violone,
Kantor Peter Kleinert – Orgel

Unter Leitung von Jochen Schubert singen die Chöre der kath. Pfarreien St. Hubertus, St. Franziskus Xaverius und St. Josef

Fotos: Elisabeth Meuser Bearbeitung: Uta Graba
 

Ein stille (Trauer-)musik – diese Formulierung erscheint auf den ersten Blick paradox. Sie findet sich jedoch in verschiedenen Musikquellen des 17. und 18. Jh. und verweist auf den Gebrauch besonderer, leise klingender Instrumente bei der Aufführung von Begräbnis- und Passionsmusiken bzw. Musik für die Buß- und Fastenzeiten der Kirche.
Betrachtet man die Werke jener Zeit näher, lassen sich Tendenzen erkennen, welche Instrumente die damaligen Komponisten für angemessen erachteten: vornehmlich Gamben, Blockflöten, gedackte Orgeln, gelegentlich auch Violinen und Oboen.
In der heutigen „Musik in St. Martin“ erklingen Werke, die sich thematisch-inhaltlich in die letzten Tage des Kirchenjahres reihen und ebendiese Besetzung verlangen.
Die Urheberschaft Georg Philipp Telemanns wird von heutiger Musikwissenschaft für die beiden vorliegenden Kantaten bestritten. Johann Caspar Dietel, Kantor aus dem mitteldeutschen Raum, der auch mit Musikalien handelte, soll diese unter dem Namen Telemann verkauft haben. Dennoch sind diese Trauerkantaten in ihrer Schlichtheit anrührend, die melodischen Linien und das Gespür für Klangfarben lassen spätere Meisterschaft erahnen.
„Ein Geniewerk“, „ein Stück Weltliteratur“ (A. Dürr) ist Johann Sebastian Bachs Kantate Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit, auch Actus tragicus genannt. Obwohl ein Jugendwerk, ist sie von äußerster Komplexität, Tiefgang und Reife geprägt. Bibelwort und Kirchenliedstrophen werden geschickt aneinandergereiht, so dass eine klare Dramaturgie entsteht: Vom Sinnen über das menschliche Dasein und dessen Endlichkeit ausgehend, wird das Sterben als unausweichlich, aber nicht endgültig aufgezeigt. Im zentralen Chorsatz erklingt als Fuge „Es ist der alte Bund, Mensch, du musst sterben.“ Darüber erhebt sich der Solosopran mit den Worten aus der Offenbarung des Johannes „Komm, Herr Jesu“ und verweist auf das Reich Gottes und die Erlösung vom Tod. Den Beschluss bildet ein großartiges Lob des dreieinigen Gottes.

Gabriele Schubert

Programmheft Ein stille Music

Das geistliche Wort hielt Jochen Schubert auf poetische Weise. Es ist hier nachzulesen.